Entwicklung des Hungener Schlosses

  • 1383: Existenz einer Burganlage (Falkensteiner Besitz) erstmals urkundlich erwähnt.
  • 1455: Errichtung einer neuen Burg unter Graf Bernhard von Solms-Braunfels, vermutlich unter Verwendung bestehender Bauteile der alten Anlage
  • 1487-1492: Erweiterung der Burganlage unter Bernhard III.
  • 1572: Abbruch mehrerer Gebäude oder Gebäudeteile unter Graf Philipp und mehrere Neubauten u.a. der Treppenturm.
  • 1600: Errichtung des Torbaues der Vorburg, des "Neuen Saalbaues" und des (nicht mehr existierenden) nördlichen "Eckturmes mit Welcher Haube" . Umgestaltung von "Frauenzimmerbau" und "Altem Bau".
  • 1616: Fortführung der Umbauten, insbesondere am "Alten Saalbau" und am "Frauenzimmerbau" und Erstellung der Wallanlagen vor dem Schloss und der Stadtmauer.
  • 1629: Erweiterung des Areals des Schlosses um das Hofgut.
  • 17. Jh.: Anlage eines Doppelgrabens, der Bastion und einer Lünette zum Schutz der Westseite des Schlosses.
  • 1700: letzte große Veränderung und Ergänzung der Schlossbauten unter Wilhelm Moritz. Umgestaltung des Mittelbaues im barocken Stil, Anbauten an der Südseite des "Frauenzimmerbaues" (1790 noch einmal erneuert).
  • 1863 - 1870: Wallgelände durch den Bau der Bahnstrecke nach Gelnhausen durchbrochen.
  • 1870: letzte Renovierung.
  • bis ca. 1970: Verschiedene Nutzungen, zuletzt wurden Teile des Schlosses als Altenheim, später als Wohnheim für türkische Gastarbeiter genutzt.

Sanierungsverlauf

Sanierung Schloss Hungen 1974 bot Graf Hans Georg Oppersdorf dem bereits in einem Anbau wohnenden Prof. Adolf Hampel das mittlerweile desolate Schloss zum Geschenk an, nachdem sowohl die Kirche als auch die Stadt Hungen ein ebensolches Angebot aus Kostengründen abgelehnt hatten. Auch Dr. Kiesow (damals Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege in Hessen) fand diesen „ganz neuen Weg, ein so großes Projekt in den Griff zu bekommen”, unterstützenswert. Noch im selben Jahr wurde eine Eigentümergemeinschaft auf der Grundlage des Wohnungseigentumsgesetz gegründet, die neben der Schaffung von Wohnraum zum Ziel hatte:

  1. die durch die Geschichte geprägte, originale Denkmalsubstanz in größtmöglichem Umfang erhalten,
  2. der handwerklichen Reparatur im vorgegebenen Material gegenüber dem Austausch oder dem Ersatz der Vorrang zu geben,
  3. nur solche Eingriffe in die Denkmalsubstanz vorzunehmen, die - soweit technisch und konstruktiv möglich - wieder rückgängig gemacht werden können und
  4. trotz des Zwanges zur Anpassung an die veränderten Nutzungsansprüche den geschichtlichen Zeugniswert in der alten farblichen Fassung des 17. und 18. Jahrhunderts auch für kommende Generationen zu erhalten, und nicht zuletzt die Gesamtanlage für die Öffentlichkeit weitgehend zugänglich zu machen.

Bis heute wird das Projekt durch eine ehrenamtlich tätige Selbstverwaltung geleitet, die sich aus der Eigentümergemeinschaft, dem Verwaltungsgremium (3 Mitglieder) und dem Verwaltungsbeirat zusammensetzt. Mittlerweile sind 22 Wohneinheiten mit insgesamt 114 Räumen und Grundflächen von 75 bis 250 m² fertiggestellt. Die Wohnfläche aller Wohneinheiten beträgt rund 3040 m², die Nutzfläche ca. 1850 m², davon 230 m² Kellerraum, 560 m² Speicherraum und 275 m² im Nebengebäude. Die Wohnungen werden, bis auf z. Z. vier dauervermietete, von den Eigentümern selbst bewohnt.

Seit dem Sanierungsbeginn 1975 wurden beträchtliche Eigenmittel nicht nur in die Wohnungsumbauten und Einrichtungen investiert, sondern auch und in erster Linie in die Restaurierung der Fassaden, Dächer und Außenanlagen. Diese Arbeiten werden in vollem Umfang wohl erst im Jahr 2010 völlig beendet sein. Berechnet man die Kosten für die Sanierung des Sondereigentums (Wohnungen) mit im Mittel 1000 DM / m², so belaufen sich diese, von jedem Eigentümer selbst getätigten Investitionen auf rund 3,0 Mio. DM. Für die Restaurierung und Sanierung des Gemeinschaftseigentums dürften bis zum Abschluss sämtlicher Arbeiten noch einmal Kosten in gleicher Höhe entstanden sein. Insgesamt werden sich somit die gesamten Herstellungskosten einschließlich der Aufwendungen für die Wohnungssanierungen auf unter 6 Millionen DM belaufen, davon werden etwa 10 - 15 % durch verschiedene öffentliche Zuschüsse und Sanierungsmittel gedeckt. Daneben gewährte bisher die Stadt Hungen regelmäßig verlorene Zuschüsse zu der Instandsetzung ihres größten verbliebenen Kulturdenkmales, desgleichen im sehr geringem Umfang der Landkreis Gießen. Seit 1989 gelten für das Schloss die Voraussetzungen für Gebäude in förmlich festgelegten Sanierungsgebieten aufgrund des Städtebauförderungsgesetzes.

Zusätzlich zu den Wohnungen wurden auf 350 m² Gemeinschaftsräume gestaltet, die neben der Nutzung durch die Eigentümer auch für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden. Diese Veranstaltungen werden in der Regel von dem „Freundeskreis Schloss Hungen e. V.” organisiert, der im November 1976 gegründet wurde und sich zur Aufgabe stellte, „die Gestaltung und Erhaltung von denkmalspflegerisch wichtigen Teilen der Außenfassaden und der Außenanlagen des Schlosses Hungen, soweit sie der Öffentlichkeit zugänglich sind, zu fördern und kulturelle Veranstaltungen durchzuführen, die geeignet sind, die mit dem Schloss Hungen zusammenhängenden Traditionen zu pflegen und die kulturelle Bedeutung des Schlosses Hungen wiederzubeleben” und „es wieder zu einem lebendigen kulturellen Zentrum werden zu lassen...”

Einen ausführlichen Überblick über die Geschichte und die Sanierung des Hungener Schlosses kann der Broschüre von Klaus Dieter Wildhack entnommen werden: Schloss Hungen. Vom Feudalsitz zur Wohnanlage. Hungen 1999. 87 Seiten mit Abbildungen und historischen Fotos. Diese Broschüre kann gegen einen Unkostenbeitrag von 5 € erworben werden.

Veranstaltungsräume

Der Pferdestall

Pferdestall Der Pferdestall beherbergte früher bis zu 26 Reit- und Kutschpferde der gräflichen Familie. 1978 wurde er aufwändig als Gemeinschafts- und Ausstellungsraum umgestaltet. Später kamen weitere Nebenräume zu dem Komplex "Pferdestall" hinzu: Küche, Abstellräume und WC's. Heute finden hier auf einer Grundfläche von ca. 70 m² regelmäßig Ausstellungen unterschiedlicher Art statt.

Der blaue Saal

Blauer Saal Einst war er das Musikzimmer der letzten Gräfin des Schlosses Hungen - danach wurde der großzügige Raum für türkische Gastarbeiter in mehrere kleine Zimmer unterteilt. Im Jahre 1982 wurden die Trennwände von der neuen Eigentümergemeinschaft entfernt und der Saal im Stile des 18. Jahrhunderts restauriert. Farbgebung und Namen "Blauer Saal" erhielt er von seinem prachtvollen blauen Kachelofen. In den letzten Jahren wurde schließlich die Einrichtung um einen Konzertflügel bereichert, die Bestuhlung erneuert und noch einmal eine grundlegende Renovierung vorgenommen. Hier finden jährlich viele kulturelle Veranstaltungen statt (Lesungen, Kammerkonzerte, Liederabende, Kabarett usw.) In dem ca. 80m² großen "Blauen Saal" finden 70 bis 90 Zuschauer Platz.

Der Innenhof

Innenhof Im wunderschönen Innenhof des Schlosses finden bis zu 400 Besucher Platz. Der Hof wird vor allem für Openair-Veranstaltungen im Sommer genutzt. Freilichtkino, Theater und Musik-Veranstaltungen begeistern ein Publikum aus Nah und Fern.