„Esther“ von Johann Fridolin Lautenschlager (1587). Theateraufführung im Innenhof des Schlosses mit der Theater-Gruppe um Prof. Dr. Cora Dietl (Universität Giessen)

Samstag, den 12. Juli 2025
Beginn: 18.00 Uhr / Einlass: 17.30 Uhr
Im Innenhof im Schloss
Schlossgasse 11
35410 Hungen
Der Eintritt ist frei!
Tyrann oder Pantoffelheld?
Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Universität Gießen präsentiert historisches Theaterstück „Esther“
Wie sollte sich ein Herrscher verhalten? Wie kann der König seine Autorität walten lassen, wenn nicht einmal die eigene Ehefrau auf ihn hört? Welches ist seine Rolle – Tyrann oder Pantoffelheld? Dies sind nur einige der Fragen, die in der diesjährigen Sommeraufführung der Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) zur Sprache kommen. Die spielfreudige Gruppe unter der Leitung der Germanistin Prof. Dr. Cora Dietl bringt im Sommersemester das Stück „Esther“ von Johann Fridolin Lautenschlager aus dem Jahr 1587 auf die Bühne und lädt am 03. Juli 2025 zur Premiere ein. Weitere Aufführungen finden am 04. Juli in Grünberg und am 12. Juli im Hungener Schloss statt.
Das für eine Patrizierhochzeit im schweizerischen Freiburg verfasste Bibeldrama präsentiert inhaltlich die Vorgeschichte zu der 2023 von der Theatergruppe aufgeführten Zürcher „Hester“ von Jos Murer aus dem Jahr 1567. Das Stück stellt das Scheitern der ersten Ehe des Königs Asverus dar sowie seine Suche nach der „idealen“ Ehefrau. Es dramatisiert damit den Anfang des biblischen Buches Esther. Dabei nimmt der katholische Schulmeister Lautenschlager zum Teil indirekt, zum Teil sehr explizit eine Gegenposition zu Murers reformiertem Schauspiel ein.
Nicht die Bedrohung und Rettung einer religiösen Minderheit interessieren Lautenschlager – „Wenn man das noch darstellen wolle, würde das Stück ja zwei Tage dauern“, heißt es im Epilog. Stattdessen geht es dem Autor vor allem um den Status der Ehe als Sakrament und eine Fürstenehe als politische Institution. Aufgeworfen werden Fragen, welche die Welt im 16. Jahrhundert bewegten: Darf ein König sich von seiner Frau trennen, nur weil die Königin ihren eigenen Willen gezeigt hat? Präsentiert sich der König damit als Tyrann? Andererseits: Darf ein Herrscher ein Pantoffelheld sein? Schließlich geht es gar um die Überlegung, ob Sterndeuter dem König bei der Regierung helfen könnten. Das klingt absurd und ist eine Frage, die sich auch der Narr im Spiel stellen wird. Das Publikum ist herzlich eingeladen, sich ein eigenes Bild zu machen.
Die Erarbeitung der Aufführung ist auch in diesem Sommersemester Gegenstand einer Lehrveranstaltung, die im Curriculum des Gießener Germanistikstudiums verankert und zusätzlich für Studierende anderer Fächer geöffnet ist. Die gemeinsame Arbeit ist Ausdruck praxis- und auch forschungsnaher Lehre; die Textauswahl orientiert sich an dem von Prof. Dietl geleiteten DFG-Projekt „Theatrale Aushandlungen interreligiösen oder interkonfessionellen Zusammenlebens. Deutschsprachige Esther-Dramen des 16.
Jahrhunderts“.
Mitwirkende:
KÖNIG ASVERUS: Laura Puhze
KÖNIGIN VASTI: Luca Marie Merkle
KÖNIGIN ESTHER: Gloria Gómez
DIE FÜNF RÄTE DES KÖNIGS: Karina Fischer; Philipp Schroeder-Printzen; Gloria Gómez; Luca
Marie Merkle; Samira C. Sippel
DIE ZWEI ASTRONOMEN: Samira C. Sippel; Karina R. Fischer
NARR: Philipp Schroeder-Printzen
BOTE: Kende Bors
KÄMMERER: Cora Dietl
Die Aufführung im Schloss Hungen wird unterstützt durch den Freundeskreis
Schloss Hungen e.V.
